Lesen ist ein Abenteuer. Es nimmt uns über Tage und Wochen in Beschlag und führt in fremde Gedanken und neue Welten. Dass wir dabei ganz unterschiedlich auf Lektüren reagieren, macht den Reiz des Gesprächs über Romane aus. Deshalb verbünden sich Leser in Literaturzirkeln. Weil geteiltes Lesen doppeltes Vergnügen bedeutet. Die digitale Revolution mag unser Leseverhalten auf den Kopf stellen, die Leselust in Gesellschaft findet nach wie vor großen Zuspruch. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung laden deshalb gemeinsam mit der Buchhandelskette Thalia zu unserem neuen Projekt „Gemeinsam lesen“ ein. Zusammen mit Ihnen, den Leserinnen und Lesern, wollen wir Literatur neu entdecken. Den Auftakt dieser Kooperation bildet Leïla Slimanis Roman „Trag das Feuer weiter“, der heute in der deutschen Übersetzung von Amelie Thoma im Luchterhand Literaturverlag erscheint. Nach „Das Land der Anderen“ und „Schaut, wie wir tanzen“ erzählt die 1981 in Marokko geborene und in Paris lebende Goncourt-Preisträgerin im Abschlussband ihrer Familientrilogie von der Suche zweier Schwestern nach Freiheit. Nach dem großen Vorabinterview mit Leïla Slimani finden Sie von diesem Mittwoch an in unserem Feuilleton sowie im Literatur-Newsletter (zu abonnieren unter nl.faz.net/#literatur) weitere Texte und Hintergründe zu Leben und Werk der Schriftstellerin. Zudem laden wir Sie im Rahmen des Buchclub-Projekts „Gemeinsam lesen“ ein, „Trag das Feuer weiter“ mitzulesen und darüber zu diskutieren. Im digitalen Book Circle von Thalia können Sie sich mit anderen Lesern darüber austauschen. Auch die F.A.S.- und F.A.Z.-Feuilletonleiterinnen Julia Encke und Sandra Kegel werden sich in einem Podcast über den Roman unterhalten. Zum Abschluss findet am 21. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse eine Veranstaltung mit Leïla Slimani statt, die sie auch live im Stream verfolgen können. Das beste Bild für ihre Gemütslage „Gemeinsam lesen“ wird viermal im Jahr stattfinden. Slimanis vielgestaltiges Werk eignet sich für „Gemeinsam lesen“ hervorragend. Denn Lesekreise stellen nicht nur das eigene Geschick, eine Haltung zu entwickeln und zu verteidigen, auf die Probe, sondern ebenso die Fähigkeit zum Kompromiss. Das Schöne daran: Es gibt keine Gewinner oder Verlierer. Es geht um die Summe der Beobachtungen und nicht um Daumen hoch oder runter. Einen Roman „mit vielen Augen“ zu lesen, wird so selbst zum kreativen Prozess. Um Sie, liebe Leserinnen und Leser, gleich mit ins Boot zu holen, kommt hier die erste Frage, über die Sie nachdenken oder sich untereinander austauschen können. Slimanis Romananfang dreht sich um eine Schriftstellerin, die während der Corona-Pandemie unter Gedächtnisverlust leidet. Als sie zum Arzt geht, diagnostiziert dieser „Brain Fog“ – Gehirnnebel. Ohne zu wissen, was genau das bedeutet, denkt die junge Frau, dass es kein besseres Bild geben könne für ihre momentane Gemütslage. Der Arzt fordert sie daraufhin auf, ihre „Madeleine“ zu finden – das also, was in Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ die Erinnerung zurückbringt. Dort war es ein in Lindenblütentee getunktes Gebäck, das eine Flut von Kindheitserinnerungen hervorrief. Hatten Sie ein ähnliches Erweckungserlebnis? Teilen Sie Ihre Madeleines und schreiben Sie an literatur-nl@faz.de. Weitere Informationen unter www.faz.net/gemeinsam-lesen.
